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DEPRESSIONEN

Depressionen im Alltag

Frankfurter Neue Presse, Ausgabe vom 04.11.2003

Limburg. Fühlen Sie sich leer und glauben Sie, alles sei sinnlos? Werden Sie morgens viel zu früh wach? Haben Sie kein Interesse mehr an Ihren Freunden? Und können Sie morgens nichts frühstücken?

Dann könnte es sich um eine Depression handeln. Aber nur, wenn diese Symptome länger als zwei Wochen andauern. Bei den "Limburger Gesundheitstagen" hielt der Limburger Psychotherapeut Dr. Eberhard Thiele einen wissenschaftlichen Vortrag zum Thema "Depression".

120 Millionen Menschen weltweit leiden laut der Weltgesundheitsorganisation WHO an Depressionen. In Deutschland seien es etwa vier Millionen Menschen, sagte Thiele, wobei die WHO sogar einen stetigen Anstieg prognostiziert. Frauen seien häufiger betroffen als Männer. Besonders Teenager litten unter Depressionen und Senioren.

"Depressionen sind sehr ernst zu nehmen", sagte Thiele. Schließlich könnten sie unter anderem zu Herzerkrankungen führen. "Zehn Prozent der Erkrankten bringen sich selbst um." Interessanterweise existiere diese Krankheit nur in den Industrienationen.

Thiele sieht in der Patientenversorgung ein klares Defizit: Von den 60 bis 70 Prozent der Depressiven, die überhaupt zum Hausarzt gingen, würden nur rund ein Drittel als solche erkannt und davon würden noch nicht mal zehn Prozent behandelt. Wie kommt das? "Die Patienten reden einfach nicht darüber", sagte Thiele, "sie reden mehr über Schmerzen oder Müdigkeit. " Die meisten litten zudem an einer Zweiterkrankung, die die Depression in den Hintergrund dränge. So werde dem Hausarzt oft nicht bewusst, dass die körperlichen Beschwerden Folge der kranken Psyche seien.

Wie entsteht eine Depression? "Eine 100-prozentige Ursache gibt es nicht, alles sind nur wissenschaftliche Annahmen", sagte Thiele. Schilddrüsenerkrankungen könnten ebenso Auslöser sein wie ein Defizit oder Ungleichgewicht der so genannten Neurotransmitter, der Botenstoffe des Gehirns. Oder auch der Tod eines nahe stehenden Menschen oder eine Scheidung.

Es gebe vier Behandlungsmöglichkeiten: die Basisbehandlung beim Hausarzt mit Tabletten, Lichttherapie oder auch Schlafentzug. Die Psychotherapie, die ambulant oder stationär erfolgen könne. Die Soziotherapie bei schwersten Formen der Depression; Angehörige und das Arbeitsumfeld würden dort miteinbezogen. Und schließlich die Einnahme von Psychopharmaka. Dies habe sich zwar zwischenzeitlich verbessert: schon nach einer Woche könnten sie anschlagen. Allerdings nicht bei jedem. Und auf Dauer könnten sie sogar die Wirkung verlieren. Ohnehin sollten solch schwere "Geschütze" niemals ohne begleitende Psychotherapie eingenommen werden. (bwe)



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