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KÖRPERLICHE BESCHWERDEN

Körperliche Beschwerden oft Folge von Stress

Frankfurter Neue Presse, Ausgabe vom 24.10.2003

Mainz (dpa) Körperliche Beschwerden haben nach Schätzungen von Medizinern zu einem Großteil stressbedingte und keine organischen Ursachen. Bei Allgemeinmedizinern treffe dies auf 30 bis 50 Prozent der Patienten zu, sagte der Oberarzt Ralf Nickel von der Mainzer Universitätsklinik am Freitag beim 11. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin (DGPM) in Mainz.

Die seelischen Erkrankungen würden von den Ärzten aber häufig nicht erkannt. Die Fehleinschätzungsquote bei psychisch bedingten körperlichen Beschwerden liege bei 50 Prozent.

Die meisten Hausärzte seien auf Grund ihrer Ausbildung noch immer sehr akut- und körpermedizinisch ausgerichtet und suchten für alle Beschwerden organische Ursachen. Oft sei aber umgekehrt die Psyche Auslöser von körperlichen, so genannten psychosomatischen Erkrankungen. Diese Beschwerden seien vielfältig, bestätigte der Mainzer Mediziner Ulrich Egle. Häufig litten die Patienten unter Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darmbeschwerden oder Schwindel. In Extremfällen könne es auch zu Lähmungen kommen.

Viele psychosomatische Erkrankungen seien auf köperliche Misshandlung oder sexuellen Missbrauch in frühester Kindheit zurückzuführen, betonte Egle. Nehme sich der Arzt mehr Zeit für seine Patienten, könnten kostenintensive Behandlungen vermieden werden.

Dennoch gerate die «sprechende Medizin», die «bio-psycho-soziale Berufsauffassung» im Vergleich zur Apparatemedizin immer wieder ins Hintertreffen, kritisierte Nickel in einem dpa-Gespräch. «Biografien und berufliche oder private Belastungssituationen werden kaum erfragt, wenn Patienten Symptome wie Schwindel, Übelkeit oder chronische Schmerzen haben, stattdessen soll die Technik klären, woran es liegen könnte.» Die Folge unbefriedigender Diagnosen seien Frustrationen bei den Patienten, häufiger Arztwechsel (Doctor- Hopping) mit steigenden Kosten für das Gesundheitssystem und am Ende gar der Verlust des Vertrauens in die Schulmedizin.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin und Psychotherapie hat nach eigenen Angaben rund 950 Mitglieder. An dem Kongress zu unterschiedlichen Erscheinungsformen psychosomatischer Erkrankungen am Freitag und Samstag in Mainz nehmen etwa 300 Mediziner teil.


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