Frankfurter Neue Presse, Ausgabe vom 27.8.2004
Fast jeder achte Grundschüler in Deutschland leidet an einem Tic. Die Störungen, bei denen die Betroffenen plötzlich ungewöhnliche Bewegungen ausführen oder Laute von sich geben, treten meist im Alter von sechs oder sieben Jahren erstmals auf, wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Marburg mitteilte. Die Tics lassen sich den Angaben zufolge aber in den meisten Fällen gut behandeln: Bei zwei Dritteln der Kinder bessern sie sich oder verschwinden fast ganz.
Bei drei bis vier Prozent der Grundschüler sind die Tics den Angaben zufolge chronisch, bei bis zu zwölf Prozent vorübergehend. Die Kinder blinzeln, schneiden Grimassen, zucken mit den Armen, schmatzen, grunzen oder räuspern sich ohne Unterlass. Die Störungen machten sich erst im Gesichtsbereich bemerkbar, dann kommen unwillkürliche Lautäußerungen dazu. Die Tics können täglich in anhaltenden Serien über einen langen Zeitraum auftreten, aber auch für Wochen und Monate verschwinden.
Kinder mit Tics leiden der Gesellschaft zufolge oft auch an anderen Verhaltensauffälligkeiten. 50 bis 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Lernschwierigkeiten. Viele sind niedergeschlagen und ängstlich, schlafen schlecht und leiden unter Zwangsstörungen. Häufig ziehen sie sich aus Scham zurück und haben Schwierigkeiten im Kontakt zu Gleichaltrigen.
Die Behandlung muss sich an der Schwere der Symptome und den Bedürfnissen des Patienten ausrichten, berichtete die Gesellschaft. Die Patienten könnten verhaltenstherapeutische Techniken erlernen, um ihren Tic zu kontrollieren. Die Behandlung erfolgt den Angaben zufolge in aller Regel ambulant und kann auch Medikamente beinhalten.
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